Body Diversity auf der Fashion Week: Warum Curvy Models wieder unsichtbarer werden
Body Diversity, Plus-Size-Models und Inklusion – noch vor wenigen Jahren schien die Modebranche endlich auf dem richtigen Weg. Doch aktuelle Entwicklungen werfen eine wichtige Frage auf: Macht die Fashion-Welt gerade einen Rückschritt?
Wie inklusiv ist die Modebranche wirklich?
Die internationalen Fashion Weeks gelten als Trendbarometer der Modeindustrie. Sie zeigen nicht nur neue Kollektionen, sondern auch, welche Körper als „repräsentativ“ gelten.
Die Realität ist ernüchternd: Nur ein verschwindend geringer Anteil der präsentierten Looks wird an Plus-Size-Models gezeigt. Für eine Branche, die sich Diversität auf die Fahne schreibt, ist das ein klares Signal – und kein gutes.
Dabei ist die Nachfrage eindeutig: Curvy Fashion ist längst kein Nischenmarkt mehr, sondern ein wachsender, wirtschaftlich relevanter Bereich. Trotzdem spiegelt sich diese Entwicklung kaum auf den Laufstegen wider.
Von Aufbruchsstimmung zu Stillstand
Rückblickend gab es einen Moment, in dem vieles möglich schien. Mehr Marken öffneten sich für unterschiedliche Körperformen, und erstmals konnten sich viele Menschen wirklich mit den Models identifizieren.
Diese Sichtbarkeit hatte eine enorme Wirkung:
- Mehr Selbstakzeptanz
- Mehr Zugehörigkeitsgefühl
- Mehr Mut, Mode selbstbewusst zu tragen
Doch statt diesen Fortschritt auszubauen, scheint die Branche aktuell wieder konservativer zu werden.
Der Rückkehr alter Schönheitsideale
Ein beunruhigender Trend ist die erneute Fokussierung auf ein sehr schmales Körperideal.
Während Begriffe wie Body Positivity und Body Neutrality weiterhin präsent sind, zeigt die Praxis oft ein anderes Bild. Schlanke Silhouetten dominieren erneut die Runways, während kurvige Körper weniger Raum bekommen.
Parallel dazu gewinnen fragwürdige Trends wieder an Aufmerksamkeit:
- Extreme Schlankheitsideale
- Social-Media-Hypes rund um schnelle Gewichtsabnahme
- Ein ästhetischer Rückgriff auf vergangene, wenig diverse Modeepochen
Das Ergebnis: Vielfalt wird zur Ausnahme statt zur Selbstverständlichkeit.
Wenn Inklusion nur Marketing ist
Ein weiteres Problem ist sogenannte „symbolische Inklusion“.
Das bedeutet:
- Einzelne Curvy Models werden eingesetzt, ohne echte Veränderung
- Designs berücksichtigen größere Größen nicht wirklich
- Kleidung wirkt entweder versteckend oder überbetont körperlich
Echte Inklusion sieht anders aus. Sie bedeutet:
- Mode, die für verschiedene Körper entworfen wird
- Gleichwertige Präsentation auf dem Laufsteg
- Respekt statt Reduktion auf Körperformen
Warum Repräsentation mehr ist als ein Trend
Mode beeinflusst, wie wir uns selbst sehen. Wenn bestimmte Körper systematisch ausgeschlossen werden, hat das Auswirkungen:
- Weniger Selbstbewusstsein
- Gefühl von Nicht-Zugehörigkeit
- Eingeschränkte Auswahl beim Shopping
Gerade deshalb ist Sichtbarkeit von Curvy Bodies kein „Nice-to-have“, sondern essenziell.
Gibt es Hoffnung für mehr Body Diversity?
Trotz der Rückschritte gibt es auch positive Entwicklungen. Einzelne Designer:innen, Models und Kampagnen setzen sich weiterhin aktiv für mehr Vielfalt ein.
Social Media spielt dabei eine wichtige Rolle:
- Communities fordern mehr Repräsentation
- Curvy Influencer:innen schaffen eigene Plattformen
- Kund:innen üben Druck auf Marken aus
Der Wandel kommt – aber langsamer, als viele gehofft haben.
Fazit: Die Zukunft der Mode muss inklusiv sein
Die zentrale Frage bleibt: Für wen wird Mode eigentlich gemacht?
Solange ein Großteil der Menschen sich nicht repräsentiert fühlt, hat die Branche noch Arbeit vor sich.
Echte Body Diversity bedeutet:
- Vielfalt als Standard
- Nicht als Trend
- Nicht als PR-Strategie
Jeder Körper verdient Mode, die sichtbar macht statt ausgrenzt.
Und genau deshalb ist es wichtig, dass wir weiter darüber sprechen – laut, ehrlich und unapologetisch.

